Blauwassersegeln – Entdeckung der Langsamkeit

Posted by on 19. August 2012

Eines der letzten großen Abenteuer unserer Zeit ist das Blauwassersegeln. Viele werden jetzt fragen „Was ist das eigentlich?“.

Blauwassersegeln leitet sich von der tiefbauen Farbe des offenen Meeres ab und meint eine Art der Fortbewegung, bei der auf einer Segelyacht große Strecken auf dem offenen Meer, abseits von Küsten, zurück gelegt werden. Menschen, die dies tun, sind in der Regel Langzeitfahrer auf Weltumsegelung oder Seefahrer auf Zeit, die z.B. an der alljährlich stattfindenden ARC teilnehmen.

Wie dem auch sei, haben Sie schon einmal den Ozean von Europa kommend nach Florida, Mittelamerika oder Brasilien überquert? Die meisten sicherlich. Bei meinem ersten Flug kamen mir die Stunden über Wasser schon recht lang vor. Irgendwann wurde die Distanz zur Routine und die Entfernung Europa – Amerika wurde dimensionslos. Sitzt man doch – mehr oder weniger bequem – in Flugzeug, wird nett umsorgt, hat jederzeit ein großzügiges Entertainmentprogramm und verschläft, wenn es gut geht, auch noch einen großen Teil der Stecke.

Ich beschäftige mich derzeit intensiv mit dem Thema Bauwassersegeln, wobei die erste Etappe klassischer Weise von den Kanarischen Inseln bis in die Karibik führt. Daher sehe ich die Strecke plötzlich mit ganz anderen Augen. Bei meinem letzten Flug glitt die Maschine mit über 1000 km/h dahin. Ein Segelboot ist da ungleich langsamer. Hier wird von Tagesdistanzen – auch Etmal genannt – zwischen 120 und 180 Milen gesprochen. So deht sich Zeit und Raum plötzlich von überschaubaren Stunden, nicht nur auf Tage, sondern direkt auf Wochen. Alles ist relativ – Einstein läßt grüßen.

Was mag das für eine Erfahrung sein, wochenlang ohne Landsicht unterwegs zu sein? Meterhohe Wellen, keine Möglichkeit umzukehren oder schnelle Hilfe zu holen, keinen Escape-Butten, kein „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ Hinzu kommt, das all dass, was für fast alle von uns heute zur absoluten Selbstverständlichkeit geworden ist, plötzlich nicht mehr selbstverständlich, bzw. nicht mehr da ist. Keine Energie im Überfluss, kein Fernsehen, Internet, Telefon, Lebensmittelgeschäfte oder Restaurant. Plötzlich ist man Selbstversorger und angewiesen auf das, was man entweder mitgenommen hat oder selbst unterwegs herstellen kann. Und doch machen sich jedes Jahr unzählich Crews auf , dieses Abenteuer zu bestehen.

Ich lese in letzter Zeit immer wieder Berichte über Entschleunigung, Burnout und andere Effekte unserer Zeit. Eines steht für mich fest: Besser als auf einem Segeltörn kann man sein Leben nicht Entschleunigen und mehr Entspannung auf auf dem Wasser findet man kaum – es muss ja nicht immer gleich eine Weltumsegelung sein und Blauwassersegeln ist sicher nicht für jeden zu empfehlen.

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